Bitte im Sitzen pinkeln - Kampf der Geschlechter

Bitte im Sitzen pinkeln – Kampf der Geschlechter

Ob Männer im Sitzen pinkeln müssen, dieser Streit zwischen den Geschlechtern ist vermutlich so alt, wie die Erfindung der Keramiktoilette.

Und er fokussiert sich in erster Linie auf das Verhalten von Männern – ist das Pinkeln im Stehen in Ordnung, oder nicht?

Diese Diskussion wird leidenschaftlich geführt. Hier lassen wir beide Seiten zu Wort kommen. Zunächst widmen wir uns der weiblichen Perspektive. Und darauf folgt ein männliches Plädoyer.

Warum sollten Männer besser im Sitzen urinieren? – Aus Frauensicht

Das erste Mal habe ich den Unterschied zwischen Männer- und Frauen-Toiletten als Kind bewusst wahrgenommen.

Eine Tür stand offen. Ich glaube, es war Sommer, ein öffentliches WC war das. Und was da heraus drang, habe ich mit meiner sicher noch feineren Nase als bestialischen Gestank empfunden.

Danach habe ich Männer eine Weile fast wie Raubtiere wahrgenommen. Meinen Vater natürlich ausgenommen, aber dessen Klo-Geh-Gewohnheiten kenne ich nun so gut wie gar nicht.

Pissoirs in öffentlicher Männer-Toilette
Pissoirs in öffentlicher Männer-Toilette

Wie mir eine Biologin auseinander setzte, setzt sich Männerurin tatsächlich anders zusammen als Frauenurin, intensiver. Und nur wenn Männer den Weg von der Blase ins WC-Becken stark verkürzen, also im Sitzen pinkeln, lässt sich das Gröbste an Geruchsbelästigung verhindern.

Später ging es dann mit Freunden weiter, die ihre Spuren in meinem Bad hinterließen. Beharrlich pochten sie darauf, dass erst das Pinkeln im Stehen sie zu wirklichen Männern machen würde.

Viele Diskussionen folgten, und ich habe zumindest durchgesetzt, dass die Herren etwaige gelbe Flecke rund um das WC bitte selbst zu entfernen hatten. Ansonsten macht Liebe vermutlich manchmal auch geruchsunempfindlich, schätze ich.

Eklige WG-Toilette

Ich hatte dann noch einmal ein etwas unterirdisches Erlebnis mit den Herren der Schöpfung in Form einer Lebensform, die man wohl als „WG light“ bezeichnen kann.

Empfehlen kann ich dieses on and off ganz sicher nicht, denn mein männlicher Wohngenosse alias Hauptmieter kam in die Wohnung, wann immer ihm danach war. Ansonsten lebte er bei seiner Freundin. Bis auf diese Heimsuchungen hatte ich das ganze Heim für mich alleine.

Wenn er die Wohnung dann doch einmal besuchte, wurde es schnell eklig. Denn meistens tauchte er nur auf, um von hier aus, seine Fahrradtouren durchzuführen. Schließlich lag die Elbe mit ihren schönen Strecken so nah.

Wenn ich nach Hause kam, drang dann häufig das Geräusch von Duschorgien an mein Ohr. Im Flur lag ein zusammengeknülltes Trikot, aus Plastik. Sie verstehen sicher, was ich meine.

Wenn der dann endlich weg war, habe ich mich dem Chaos im Bad gestellt. Das bestand aus einer haarigen Badewanne und dem unvermeidlichen offenen Klodeckel, komplett mit weiteren bekannten Hinterlassenschaften rund um das WC.

Bitte im Sitzen pinkeln - Kampf der Geschlechter
Bitte im Sitzen pinkeln – Kampf der Geschlechter

Ich finde das alles schon sehr rücksichtslos und bin auch froh, auf diese Wohnform nicht mehr angewiesen zu sein.

Deshalb lautet mein Plädoyer an alle Männer der Republik:

Mit welchen weiblichen Wesen ihr auch immer die Wohnung teilt, denkt daran, dass Frauen empfindlich sind. Vor allem sind wir empfindlich gegenüber Fremdgerüchen, also Gerüchen, die wir nicht selbst verursacht haben.

Das nennt sich auch ganz schlicht Zivilisation. Und in der sollten wir doch langsam mal angekommen sein, oder?

Warum Männer im Stehen pinkeln? – Aus Männersicht

Um die Antwort ein wenig vorweg zu greifen – ja, natürlich ist es das. Der Begriff „natürlich“ greift hier einen der Kernpunkte bereits ganz passend.

Männer sind physiologisch prädestiniert dafür,
ihr Wasser in aufrechter Position zu lassen.

Zugegebenermaßen ist es uns andererseits allerdings auch nicht unmöglich, dabei eine sitzende Position einzunehmen.

Dennoch – das stehende Pinkeln scheint zuweilen urtümlich und vor allem kulturell verankert. Man(n) denke nur an zahlreiche historische Skulpturen und Abbildungen, die junge Buben beim frechen Urinieren auf freiem Felde oder gegen einen Baum darstellen.

Manneken Pis, berühmte Statue eines Jungen, der im Stehen pinkelt
Manneken Pis, berühmte Statue eines Jungen, der im Stehen pinkelt

Das berühmteste Beispiel ist Manneken Pis, der als „le Petit Julien“ sogar eines der Wahrzeichen der Stadt Brüssel ist.

Aber was macht diesen Zauber aus?

Bereits als kleine Jungen erkennen wir Männer die Vorzüge unserer biologischen Ausstattung bezüglich des Urinierens.

Das Pinkeln im Stehen ist sehr schnell erledigt und an jedem erdenklichen Ort möglich. Das funktioniert diskret und beinhaltet die, für Frauen schwer nachvollziehbare, Befriedigung das Hinabprasseln des körpereigenen flüssigen Stoffwechselendprodukts visuell wahrnehmen zu können.

Bereits als Junge zielen lernen

Auch Sanitärmobiliar auf Herrentoiletten ist spezifisch zugeschnitten auf die männlichen Bedürfnisse. Sie unterstreichen die zeitliche Effektivität des Urinierens im Stehen und häufig vorzufindende Zusatzinstallationen nach dem Ball-ins-Tor-Pinkeln-Prinzip schmeicheln den genannten Vorzügen des Aufrechtstehens.

Urinal mit Fußball-Tor, der den Spieltrieb der Männer anspricht
Urinal mit Fußball-Tor, der den Spieltrieb der Männer anspricht

Der Zauber beruht also in erster Linie auf der bereits angeführten Freude am eigenen Körper.

Um eventuellen Missverständnissen vorzubeugen, Pinkeln ist für uns genau die gleiche Nebensache, wie vermutlich für Frauen.

Auch wenn es sich bisher ein wenig so lesen mag, der gesamte männliche Alltag dreht sich nicht ausschließlich um das Wasserlassen. Quasi, als wäre jeder Besuch der Toilette für uns einer der großen Genusshöhepunkte des Tages.

Pinkeln verwandelt sich jedoch in ein brisantes Thema, wenn es um die ewige Diskussion geht, die auf dieser Seite geführt wird.

Stehpinkler ohne Pissoir

Nun, die Argumente einiger Frauen gegen des Stehpinkeln der Männer sind durchaus nachvollziehbar, aber gleichsam auch altbacken und nicht mehr zeitgemäß.

Je nach Modell und Bauweise der heimischen Toilette verursacht das Stehpinkeln unangenehme Sprenkler, die, unbehandelt, unschöne und hygienisch bedenkliche Urinflecken hinterlassen können.

Aber wer sagt denn, dass wir im Vergleich zu den gesellschaftlichen Gegebenheiten der vergangenen Dekaden nicht auch selbst mal zum Feuchttuch greifen können?

Das fällt Frau dann natürlich nicht auf.

Meine Frau und ich sind zumindest diesen Kompromiss eingegangen. Ich pinkle stehend,
mache danach aber auch sauber. Meistens.

Und alle sind zufrieden. Meistens.

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