Kaffeesatz als Rohrreiniger - geheimes Hausmittel oder Mythos?

Kaffeesatz als Rohrreiniger – geheimes Hausmittel oder Mythos?

In diesem Blogpost beschreibe ich meine Erfahrungen mit Kaffeesatz als Rohrreiniger. Was ist dran am universellen Hausmittel zur Rohrreinigung?

Kaffeesatz soll quasi magische Eigenschaften haben. Er gilt als top Dünger im Rosenbeet, kurbelt die Kompost-Produktion an und soll starke Gerüche aus Rohren, Abflüssen und sogar aus dem Kühlschrank entfernen.

Einer der merkwürdigsten Haushaltstipps ist jedoch, dass Kaffeesatz verstopfte Abflüsse wieder frei machen soll. Mit diesem urbanen Mythos oder Omas Hausmittelchen werde ich mich nun beschäftigen.

Ich habe ausprobiert, was der viel gepriesene Kaffeesatz als Abflussreiniger wirklich kann.

Kaffeesatz nicht zum Reinigen der Küchenspüle geeignet
Kaffeesatz nicht zum Reinigen der Küchenspüle geeignet

Wie funktioniert der Kaffeesatz-Trick?

Einer unserer Abflüsse in der Küchenspüle ist schon seit längerem zum Problemrohr geworden und verstopft immer wieder. An diesem Abfluss probierte ich Kaffeesatz als Rohrreiniger aus.

Wie in vielen Anleitungen beschrieben, soll man zwei Kaffeefilterfüllungen in den Abfluss geben und vorsichtig nachspülen. Statt Filterkaffee probiere ich es mit zwei Portionen grob gemahlenem Espressobohnen.

Und es passiert: Nichts.

Statt den Abfluss gereinigt zu haben, habe ich jetzt das Gefühl, das Wasser läuft nun noch langsamer ab. Vielleicht hätte ich auch einfach deutlich mehr Kaffeesatz verwenden müssen, als die morgendliche Menge einiger aufgebrühter Tassen.

Dabei lesen sich die Internet-Fragerunden über das Hausmittel so vielversprechend. Dort schwören die Nutzer auf Kaffeesatz zum Reinigen. Hier heißt es, die körnige Mischung wirke wie sanftes Schmirgelpapier.

Zusammen mit dem nachlaufenden Wasser würde das Kaffeepulver die Verstopfung quasi wegschleifen, so verstehe ich die Tipps wenigstens. Praktisch die „Pearls & Dents“-Lösung unter den Abflussreinigern.

Kaffeesatz nicht in der Spüle entsorgen

Warum Kaffeesatz nicht funktionieren kann, erklärte mir ein befreundeter Installateur. Er hat von diesem Mythos schon oft gehört und rät jedes Mal deutlicher davon ab.

Nach seiner Profi-Meinung hilft bei einem verstopften Abfluss gar nichts, außer einer professionellen mechanischen Reinigung. Weder gut Zureden, noch Cola, Natron, Essigspülung oder gar Kaffeesatz.

Dabei scheint Kaffeesatz die dümmstmögliche Alternative zu sein. Statt schmirgelnd zu wirken, verstopft das Kaffeepulver. Bei einem Test der Zeitschrift Öko-Test wurde Kaffeesatz sogar extra eingesetzt, um die Verstopfung herbeizuführen.

Auch wenn das Pulver nicht danach aussieht, ist Kaffee sehr fetthaltig. Deshalb ist Kaffee lipophil und verbindet sich mit anderen Fettablagerungen in den Küchenabwasserrohren.

Vollständig verstopfte Rohre bekommen Sie mit Kaffeesatz also nicht frei. Und bei leicht verstopften Rohren werden die Ablagerungen ebenfalls nicht gelöst. Hoffentlich habe ich mit meinem Test die Lage nicht verschlimmert.

Abfluss-Sieb hilft vorbeugend gegen verstopfte Küchenspüle
Abfluss-Sieb hilft vorbeugend gegen
verstopfte Küchenspüle

Statt Kaffeesatz hilft Vorsorgen und mechanisch Reinigen

Der Installateur-Experte gibt mir für die Zukunft drei Tipps auf den Weg:

  1. Vorsorgen
  2. Siphon abschrauben
  3. Mechanisch Reinigen, wenn Abfluss verstopft ist

Vorsorgen

Zum einen müssten wir unser Verhalten umstellen und keine Dinge mehr in den Ausguss kippen, die die dort nichts zu suchen haben. Dazu gehören Essensreste, Überreste von gewaschenem Gemüse sowie Kaffeesatz.

Ein kleines Abflusssieb würde super dabei helfen, dass keine größeren Teil mehr durch rutschen. Das sei der wahre Hausmitteltrick aus Omas Zeiten.

Siphon abschrauben

Gerade in der Küche sei häufig nur der Siphon verstopft und gar nicht das Abwasserrohr in der Wand. Bevor ich alles andere unternehme, soll ich unter der Spüle nach einem U-Rohr suchen. Das ist der Geruchsverschluss oder Siphon, der sich mit zwei Schraubringen abmontieren lässt.

Bevor ich das mache, soll ich einen Eimer darunter stellen, weil in dem U-Rohr immer Wasser stehen bleibt, um die Gerüche nicht durch zu lassen. Also Siphon abschrauben und das U-Rohr reinigen.

Häufig ist in der Küche nur das U-Rohr des Siphons verstopft
Häufig ist in der Küche
nur das U-Rohr des Siphons verstopft

Er warnte mich noch, dass man dazu einen abgehärteten Magen bräuchte. Sonst könne einem schon mal schlecht werden, was dort alles zum Vorschein kommt.

Mechanisch Reinigen, wenn Abfluss verstopft ist

Ist das Übel erst einmal angerichtet und möchte man Chemie vermeiden, hilft nur eine Reinigungsspirale. Diese Spiralen wirken mit mechanischem Druck gegen die Ablagerungen und sind auch für den privaten Hausgebrauch erhältlich.

Vor allem in älteren Häusern kann sich die Anschaffung schnell bezahlt machen, falls dort häufiger Probleme mit den Rohren auftreten.

Auf keinen Fall sollte man die Reinigungsspirale durch den Siphon schieben, sondern zunächst den Siphon abschrauben. Und dann werden alle Plastikrohre unter der Spüle demontiert. Die Rohrreinigungsspirale wird nur für das Fallrohr eingesetzt, also den Teil des Abwasserrohrs, der in der Wand verschwindet.

Wer sich an diese Rohre nicht selbst heran traut, oder die Verstopfung nicht lösen kann, sollte einen Fachmann rufen.

Profis setzen auf mechanische Rohrreinigungsgeräte

Halten wir also fest: Es ist nicht möglich, das Rohr mit Hausmitteln wie Kaffeesatz zu reinigen. Chemiekeulen würden gegen hartnäckige Verschmutzung wie Fettablagerungen wirken. Sie können zwar reinigen, sind jedoch schädlich für Umwelt, Mensch und Tier.

Was taugen Hausmittelchen wie Kaffeesatz?

Warum hält sich der Mythos des Kaffeesatzes als Rohrreiniger dann dennoch so hartnäckig in unseren Köpfen? Vielleicht liegt es daran, dass Hausmittel und vermeintliches verschollenes Wissen der Großeltern im Internet seit Jahren einen Aufwind erleben.

Frage-/Antwortseiten wie „Frag Mutti“ möchten Alternativen aufzeigen, die mehr können sollen als chemische Reiniger und „unökologische“ Lösungen.

Kaffeesatz als Rohrreiniger - geheimes Hausmittel oder Mythos?
Kaffeesatz als Rohrreiniger – geheimes Hausmittel oder Mythos?

Seit einiger Weile beschäftige ich mich damit, Haushaltschemikalien durch natürliche Alternativen zu ersetzen. Dieses Vorhaben speist sich vor allem daraus, dass ich mir bewusst bin, unsere Umwelt ohnehin bereits mehr zu belasten, als es nötig wäre.

Muss ich meine negative Ökobilanz
zusätzlich mit Putzchemikalien verschlechtern?

Bei meinen Ökoreiniger-Versuchen habe ich bereits zu Essiglösung zum Reinigen von verkalkten Flächen gegriffen und statt WC-Reiniger Backpulver verwendet. Die Ergebnisse entsprachen nicht immer unseren hohen Erwartungen.

Zurück blieb lediglich das gute Gewissen, dass Hund, Katze und Kinder nun die Fensterscheiben abschlecken können, ohne sich zu vergiften.

Von einigen Dingen wie Waschnüssen habe ich wieder Abstand genommen. Wenn wir in europäischen Waschmaschinen plötzlich massenhaft Waschnüsse nachfragen, dann führt das logischerweise für noch stärkere Umweltverschmutzungen im Herstellerland Indien.

Infolge der gestiegenen Nachfrage aus dem Ausland wurden Waschnüsse für die Einheimischen unerschwinglich teuer. Sie mussten auf chemische Reiniger ausweichen. Doch die indische Umwelt möchte ich ungefiltert noch viel weniger verschmutzen, als die relativ sichere deutsche Kanalisation.

Kaffeesatz ist kein Wundermittel als Rohrreiniger

Hausmittel wirken auf uns Industrie-Zivilisationsmenschen manchmal wie Voodoo-Zauber, häufig ist die Wirkungsweise ganz einfach von Chemikern zu erklären. Doch wir haben die wahren Zaubertricks unserer Vorfahren vergessen, weil uns Chemiekonzerne bessere und einfacher zu nutzende Präparate in der Fernsehwerbung präsentieren.

Kaffeesatz gehört als Hausmittel höchstens als Dünger an die Rosenstauden im Vorgarten. Den Versuch Kaffeesatz als Rohrreiniger zu verwenden, können Sie sich dagegen sparen.